Darauf zu sehen ist ein Fisch – der LuFisch. Das ist das Wappentier des Luruper Fördervereins Integration durch Schwimmen e.V., und das hier ist sein Zuhause – und noch so viel mehr: Ohne den süßen LuFisch würde es dieses Schwimmbecken gar nicht mehr geben, schon lange nicht mehr. Es war 2005, als die Halle abgerissen werden sollte. Es waren Silvia Behr und der Elternbeirat der nahen Grundschule, die sie gerettet haben. „‚Unterschreiben Sie hier, sonst kommen morgen die Bagger‘ haben sie damals gesagt“, erinnert sich Behr. Sie hat unterschrieben. Seitdem hat der Verein Spenden gesammelt, renoviert, repariert, den LuFisch am Leben gehalten, zwanzig Jahre lang – auch mithilfe der BürgerStiftung Hamburg. Mit viel Einsatz und Liebe – und weil es so nötig ist.
Im Becken sind alle Kinder gleich, da verschwinden oft die Unterschiede.
Schwimmlehrerin Katja Prahl über Inklusion bei LuFisch
An drei Tagen in der Woche schwimmen in der Halle die „LuFische“. Bis zu 80 Kinder machen hier jährlich kostenlos ihr Seepferdchen oder ihr Bronze- oder Silber-Abzeichen, die meisten sind zwischen sechs und zwölf Jahre alt. Sie kommen aus Familien, die sich einen Schwimmkurs nicht leisten können. Oder sie haben eine psychische oder körperliche Herausforderung, auf die woanders nicht eingegangen werden kann. Viele haben bereits schlechte Erfahrungen im Wasser gemacht. Sie kommen von Kindertagesstätten, Grundschulen, Vereinen. Und weil so viele Hallen geschlossen wurden, kommen sie nicht mehr nur aus der Nachbarschaft. „Es gibt überall um uns herum keine Schwimmbäder“, sagt Katja Prahl. Die 55-Jährige hilft Kindern, schwimmen zu lernen, seit sie zwölf Jahre alt war, bei LuFisch ist sie ehrenamtlich seit 2011 dabei, im vergangenen November übernahm sie den Vereinsvorsitz.
Hier in der Halle haben schon Kinder schwimmen gelernt, von denen niemand dachte, dass sie das schaffen würden. „Wir versuchen, das für alle möglich zu machen“, sagt Katja Prahl – und dabei hilft ihr das Wasser: „Im Becken sind alle gleich, da verschwinden oft die Unterschiede.“ Im Wasser lernen die Kinder ihren Körper kennen. Es entstehen Freundschaften. Auch unter den Eltern, die sich gegenseitig unterstützen. Was es hier nicht gibt: Druck. „Wir geben jedem Kind die Zeit, die es braucht“, sagt Silvia Behr. „Bei manchen dauert es halt länger, aber die kommen auch zum Ziel.“ Im Becken geht es derweil rund. Es wird gelacht, gespritzt, geprustet. Die allermeisten, die sich gerade an ihre bunten Schwimmnudeln klammern, werden am Ende ihrer Zeit bei LuFisch sicher schwimmen können. Das ist wichtig, denn immer wieder ertrinken Kinder in Hamburg bei Badeunfällen. Es geht bei LuFisch aber auch um gesellschaftliche Teilhabe. Denn bei Klassenfahrten oder Feriencamps dürfen oft nur die Kinder mitfahren, die sicher schwimmen können.
Das Luruper Lehrschwimmbecken ist klein, es misst nur zehn mal acht Meter – aber alle „LuFische“, die gerade tropfend aus dem Wasser kommen, sind ein bisschen gewachsen. Dass das Projekt sich über Wasser halten kann, hat auch mit vielen helfenden Händen zu tun. Acht Ehrenamtliche stehen Silvia Behr und Katja Prahl zur Seite, auch Prahls Tochter Merle gibt hier Kurse. „Alle bringen ihre Kompetenzen und Erfahrungen ein“, sagt Behr. „Deswegen können wir uns gut individuell um die einzelnen Kinder kümmern“, sagt ihre Kollegin. Und wenn dann ein Kind nach einer Prüfung mit stolz geschwellter Brust nach Hause geht – und sei es, weil es sein „Wassergewöhnungsabzeichen“ gemacht hat, den ersten Schritt –, dann ist das ein Erfolg aller. Manchmal gehen die Schwimmlehrerinnen durch den Stadtteil und treffen Kinder, die bei ihnen im Kurs waren. „Dann wird man auch mal in den Arm genommen“, sagt Katja Prahl. Die beiden haben LuFisch über die Jahre immer weiter entwickelt, „und wir werden das kräftig weiter tun“, sagt Silvia Behr. Weil es ihnen wichtig ist. Und weil sie wissen: „Jede Schwimmhalle, die fehlt, ist fatal.
IBAN: DE93 2005 0550 1011 1213 14
BIC: HASPDEHHXXX | Hamburger Sparkasse
Verwendungszweck: Gutes Aufwachsen
Hinweis: Bitte geben Sie im Verwendungszweck Ihre Adresse an, wenn Sie eine Spendenbescheinigung wünschen.